BlogCO2 Differenzverträge (CCfD) & Förderprogramme, EU Emission Trading System (ETS)

CO2-Differenzverträge in der 2. Runde

Geschrieben von

Ulf Narloch

Veröffentlicht am

Die deutschen CO2-Differenzverträge gehen 2026 in die nächste Runde. Unternehmen können bis zum 7. September 2026 ihre Gebote einreichen, um Projekte zur CO2-Einsparung fördern zu lassen. Zur Transformation energieintensiver Industrien wurden das Förderbudget erhöht und die Förderbedingungen erweitert.

(letzte Aktualsierung am 13.5.2026)

Vom Pilotprojekt zur zentralen Industriepolitik

Die CO2-Differenzverträge (Carbon Contracts for Difference, CCfD) sind ein zentrales Instrument zur klimafreundlichen Transformation der Industrie in Deutschland. Als industriepolitisches Instrument sollen sie einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 leisten.

Dabei handelt es sich um ein innovatives Förderinstrument zum Ausgleich der Mehrkosten klimafreundlicher Produktionsverfahren und der damit verbundenen Energie- und CO2-Preisrisiken. Damit nimmt Deutschland eine internationale Voreiterrolle bei CCfDs ein.

Die CO2-Differenzverträge gleichen die Mehrkosten einer klimafreundlichen Produktion gegenüber konventionellen Verfahren aus und sichern Unternehmen gegen Preisrisiken bei CO₂ und Energie ab.

Die Auswahl der ersten Projekte erfolgte noch als „Klimaschutzverträge“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Klima der Vorgängerregierung in 2024. Im umstrukturierten Bundesministerium für Wirtschaft und Energie der neuen Regierung wurde das Programm nun angepasst.

Nach dem vorbereitenden Verfahren erfolgte der Förderaufruf für die 2. Runde am 5. Mai 2026. Nur wenige Tage später ebnete auch die EU mit der beihilferechtlichen Genehmigung den Weg dafür. EUR 5 Mrd. stehen für die zweite Runde zur Verfügung. Das Gebotsverfahren läuft bis zum 7. September 2026.

Was die Klimaschutzverträge fördern

Die geänderte Förderrichtlinie wurde am 4. Mai 2026 veröffentlicht. Während der Fördermechanismus unverändert bleibt, wurde die Architektur des Programms überarbeitet für:

  • breiteren Zugang (Absenkung der Projektgrenzen)
  • stärkerer Technologieoffenheit (inkl. CCU/CCS)
  • flexibleren Förderanforderungen

Investitionen in klimafreundliche Produktionsverfahren

Das Programm richtet sich an energieintensive Industrien, deren Anlagen dem europäischen Emissionshandelssystem (ETS-1) unterliegen. Gefördert werden insbesondere:

  1. Grundlegende technologische Änderungen am bestehenden Produktionsverfahren und damit einhergehende erhebliche Investitionen (z.B. Chemie, Zement oder Glas);
  2. Substitution fossiler Energieträger oder Rohstoffe durch CO2-arm bereitgestellte Energieträger oder Rohstoffe (z.B. Strom, H2, Biomasse);
  3. Einsatz von Technologien zur Abscheidung und Speicherung (CCS) beziehungsweise zur Abscheidung und Nutzung (CCU).

Dabei wird die geförderte Technologie gegenüber einem Referenzsystem (konventioneller Prozess) betrachtet. Die Förderung richtet sich auf die zusätzlichen Kosten dieser Transformation.

Technologieoffene Förderung für größere Projekte

Förderfähige Projekte weisen mindestens eine Fördersumme von EUR 15 Mio. auf. Das Programm ist bewusst technologieoffen ausgestaltet. Förderfähig sind u.a.:

  1. Wasserstoffbasierte Prozesse
  2. Elektrifizierung von Produktionsprozessen
  3. Stofflicher und energetischer Biomasseeinsatz (unter Bedingungen)
  4. CCU/CCS-Technologien (neu in 2026, insbesondere bei Prozessemissionen)
  5. Industriedampfprojekte zur Prozesswärmeversorgung

Nicht im Fokus stehen hingegen Projekte ausschließlich zur Energieerzeugung oder ohne klaren industriellen Transformationsbezug.

Messbare Emissionsminderung

Nicht die Technologie selbst wird bewertet, sondern die Kosten pro vermiedener Tonne CO₂. Kernanforderung ist eine signifikante Reduktion der Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Referenzsystem: mindestens 5 kt CO2-Äquivalent pro Kalenderjahr.

Für die Auszahlungen wurden die Einsparkriterien wie folgt festgelegt:

  1. mindestens 50 % Emissionsminderung nach 4 Jahren
  2. mindestens 85 % bis zum Ende der Laufzeit

Auszahlungen erfolgen anhand der tatsächlichen Emissionseinsparungen sowie des Gebotspreises und der Differenz zum tatsächlichen CO2-Preis im ETS 1. Je höher dieser Preis, desto geringer die Auszahlung.

Wirtschaftliche Logik: Förderung über ein Gebotsverfahren

Die Vergabe erfolgt über ein wettbewerbliches Auktionsverfahren: Unternehmen geben einen Gebotspreis (€/t CO₂) ab. Dieser wird berechnet auf Grundlage von:

  1. Erwartete Differenzkosten (CAPEX und OPEX) der klimafreundlichen Technologie über eine Projektlaufzeit von bis zu 15 Jahren
  2. Erwartete Emissionsminderung ggü. einem Referenzprojekt

Zuschläge erhalten die Projekte mit den niedrigsten Förderkosten pro vermiedener Tonne CO2. Auch die Plausibilität der Berechnungsparameter und Umsetzbarkeit werden bewertet. Das bedeutet in der Praxis: Technologiewahl, Engineering und Energiepreise müssen wirtschaftlich sauber modelliert werden.

Gebotsverfahren 2026: Ablauf und Anforderungen

Das Gebotsverfahren baut auf dem vorbereitenden Verfahren auf. Gebote können nun bis zum 7. September 2026 über die Programmplattform (easy-Online) eingereicht werden.

Das Gebotsverfahren für die CO2-Differenzverträge ist gestartet

Für das Gebotsverfahren sind umfangreiche Informationen erforderlich, u. a.:

  • Vorhabenbeschreibung
  • Finanzplan und quantitative Daten zur Emissionsminderung
  • Ausgefüllte Vertragsunterlagen für die CCfD und Erklärungen

Die Anforderungen gehen deutlich über klassische Förderprogramme hinaus. Sie entsprechen eher einer bankfähigen Projektbewertung.

Die zweite Gebotsrunde ist deutlich flexibler – aber nicht einfacher. Die Komplexität liegt vor allem in:

  • Bestimmung eines wettbewerbsfähigen Gebotspreises
  • Abgrenzung des Referenzsystems
  • belastbaren Kosten- und Emissionsmodellen
  • Integration in bestehende Investitionsplanung
  • Berücksichtigung regulatorischer Unsicherheiten (z. B. Infrastruktur, Energiepreise, EU-ETS).

Gleichzeitig eröffnet das Programm eine seltene Chance: Großskalige Transformationsprojekte werden wirtschaftlich darstellbar. Mit der richtigen Vorbereitung kann diese Chance genutzt werden.


Quellen und weiterführende Informationen:


Foto von ADIGUN AMPA auf Unsplash