BlogCO2 Bepreisung – Allgemein, CO2 Kompensation (VCM), EU Emission Trading System (ETS)

CO2 Märkte weltweit im Aufwind

Geschrieben von

Ulf Narloch

Veröffentlicht am

Trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen und steigender Energiepreise wurden auch in 2022 die Systeme zur CO2 Bepreisung weiter ausgebaut. Mit CO2 Steuern, Emissionshandel und Kompensationsprogrammen gibt es weltweit aktuell ca. 100 solcher markt-basierten Systeme zur Bekämpfung des Klimawandels.

CO2 Preis-Politik ungebremst

Die Weltbank, die den globalen Status und die Trends der Kohlenstoff Bepreisung beobachtet, konstatiert eine stetige Weiterentwicklung der CO2 Märkte in den letzten 10 Jahren. Der jüngste Jahres-Bericht zeigt, dass auch in 2022 Systeme zur direkten CO2 Bepreisung über CO2 Steuern, Emissionshandel oder Kompensation ausgeweitet wurden.

In Folge des öffentlichen Drucks zur Eindämmung der Energiepreisinflation rückten nur wenige Länder von Ihren Plänen zur CO2 Bepreisung ab. So wurde u.a. in Deutschland der geplante Anstieg der Preise im nationalen Emissionshandelssystem (nEHS) für Brennstoffe um ein Jahr verschoben.

Zuvor hatte auch die International Carbon Action Partnership, ein globales Forum zum CO2 Handel, mit zahlreichen Neuerungen für 2022 eine große Dynamik verzeichnet.

Neben Instrumenten der direkten CO2 Bepreisung kommen in vielen Ländern auch Instrumente der indirekten Bepreisung (z.B. Verbrauchssteuern und differenzierte Mehrwertsteuersätze für Kraftstoffe) zur Anwendung.

Ausweitung der direkten CO2 Bepreisung

Das Carbon Pricing Dashboard der Weltbank zählt aktuell ca. 100 Systeme zur direkten CO2 Bereisung auf der ganzen Welt. Deren Ausgestaltung variiert stark und in einigen Ländern und Gebieten kommen verschiedene Instrumente zum Einsatz.

CO2 Steuern

Insgesamt gibt es bereits 37 CO2 Steuer-Systeme, die über einen fixierten Preis eine Gebühr auf CO2 Emissionen erheben. Diese erfassen aktuell ca. 6% der globalen Emissionen.

Nationale CO2 Steuern variieren in der Abdeckung der Emissionen. Norwegens CO2 Steuer gilt für alle energie-bezogenen Direktemissionen und damit für über 60% der Emissionen im Land.

Auch Südafrika führt eine CO2 Steuer auf alle fossilen Brennstoffe. Damit fallen ca. 80% der Emissionen im Land unter die Steuer. Allerdings profitieren Unternehmen und Haushalte von Steuer-Befreiungen für 60-90% ihrer Emissionen. Uruguays CO2 Steuer wird nur auf Benzin und damit auf ca. 10% der Emissionen angewandt.

Auch die Höhe der CO2 Steuern ist sehr unterschiedlich. Uruguay führt die höchste Steuer mit ca. 140 EUR/tCO2. Schwedens CO2 Steuer liegt über 100 EUR/tCO2. Am anderen Ende des Spektrums sind die CO2 Steuern in Südafrika, Mexiko, Chile und Argentinien deutlich unter 10 EUR/tCO2.

Neben 27 nationalen Systemen gibt es 10 subnationale Gebiete mit CO2 Steuern, vornehmlich in kanadischen Provinzen. Auch vier mexikanische Staaten haben zuletzt CO2 Steuern eingeführt.

Emissionshandel

In Emissionshandelssystemen (ETS) wird die Menge an Emissionsrechten festgesetzt, die dann gehandelt werden können. Die bestehenden 36 ETS haben eine große Reichweite und decken ca. 18% der globalen Emissionen – vor allem durch die Systeme in EU und China.

Das EU ETS ist weltweit das älteste und weitreichendste System.  Seit 2005 werden darüber Emissionen in Energie, Industrie und Luftfahrt – und ab 2024 Schifffahrt – erfasst. 2027 wird ein separates System für Brennstoffe ergänzt.

Chinas ETS wurde in 2021 gestartet, nachdem diese zuvor bereits in 8 Zonen pilotiert wurde. Es ist vorerst auf den Elektrizitäts-Sektor beschränkt und erfasst damit fast 30% der nationalen Emissionen.

In 2022 wurden auch ein neues ETS in Indonesien eingeführt über das Emissionen aus Kohlekraftwerken bepreist werden.

Die meisten ETS decken den Energie- und Industrie-Sektor ab. Eine Ausnahme ist Neu Seeland, das ab 2025 seinen Emissionshandel auch auf die Landwirtschaft ausweitet.

In 2022 waren in den meisten ETS große Preisschwankungen zu beobachten. Im EU und UK ETS stiegen Preise teilweise bis auf 100 EUR/tCO2. Preise im chinesischen ETS blieben dagegen deutlich unter 10 EUR/tCO2.

Von den ETS ist mit 23 die Mehrheit auf subnationaler Ebene organisiert. Neben den Pilotprogrammen in China sind diese vor allem in Kanada und in einigen US-Bundesstaaten zu finden.

CO2 Kompensation

Über Kompensationssysteme werden CO2 Gutschriften generiert, die auf unvermeidbare Emissionen angerechnet werden können.  

Der Großteil der Gutschriften läuft nach wie vor über unabhängige, nicht-staatliche Programme (z.B. Verra, Gold und Plan Vivo). Bei diesen fiel von 2021 auf 2022 die Menge der ausgestellten Gutschriften um 20% – u.a. aufgrund von Schwierigkeiten bei der Generierung neuer Projekte.

Die Anzahl der Gutschriften, die in staatlichen Kompensationsprogrammen generiert wurden, wuchs hingegen. Insgesamt gibt es aktuell 14 Programme auf nationaler und 15 auf subnationaler Ebene.  Zu den größten staatlichen Programmen zählen der Emission Reduction Fund in Australien, das Compliance Offset Program in Kalifonien und der RGGI CO2 Offset Mechanism an der US-Ostküste.

Als angebots-fokussiertes Instrument eignen sich diese vor allem, wenn die darin erzeugten CO2 Gutschriften in CO2 Steuer- und Handelssystemen angerechnet werden können, wie aktuell u.a. in Kolumbien, Mexiko und Südafrika. In Indien wurde die Einführung eines nationalen Kompensationsprogramms in Verbindung mit einem Emissionshandel beschlossen.

Solange verpflichtende Kompensationen im Aufbau sind, geht die Nachfrage in den meisten Kompensationsprogramme von Unternehmen aus, die sich die Gutschriften freiwillig auf Ihre Klima-Ziele anrechnen.

Preise für CO2 Gutschriften an freiwilligen Kohlenstoffmärkten variieren stark. Für Wald und natürliche Lösungen liegen diese im Durchschnitt unter 5 EUR/tCO2 mit deutlichen Aufpreisen für technologische CO2 Entnahmen. Während Preise über Handelsplattformen einen rückläufigen Trend aufweisen, wurden bei direkten (over-the-counter) Handelsgeschäften teilweise große Preisanstiege verzeichnet.

Steigende Relevanz außerhalb der EU

Trotz der voranschreitenden Ausweitung der CO2 Bepreisung gibt es nach wie vor großes Aufholpotenzial in Abdeckung und Preisniveaus. 

Weltbank Berechnungen zu Folge unterliegen weniger als 5% der globalen Emissionen einem CO2 Preis von 50 bis 100 USD/tCO2. Dieser wäre nach Empfehlung der High-Level Comission of Carbon Prices weltweit in 2030 für die Einhaltung eines 2 Grad Ziels notwendig.

Instrumente der CO2 Bepreisung gewinnen allerdings nicht nur aus klimapolitischer Sicht an Bedeutung. In Zeiten steigender Verschuldungen können diese zusammen mit dem Abbau von Brennstoff-Subventionen auch Staatskassen entlasten. So setzen sich zunehmend auch Schwellländer mit diesen Instrumenten auseinander.

Zudem steigt das Interesse von Ländern mit engen Handelsbeziehungen zur EU in Folge der beschlossenen Einführung eines EU Grenzausgleichsystems. Durch den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) wird eine CO2 Abgabe auf Importe in der EU erhoben, falls diese nicht schon im Herkunftsland besteuert werden.

Durch eigene CO2 Bepreisung können Export-Nationen verhindern, dass CO2 Einnahmen an die EU gehen. So führt u.a. die Türkei ein eigenes ETS als Antwort auf CBAM ein.

Für EU Importeure wird ein Verständnis der nicht-europäischen CO2 Preissysteme wichtig, um im Ausland gezahlte CO2 Preise im EU CBAM anrechnen zu können.


Quellen und weiterführende Informationen:



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