BlogCO2 Grenzausgleich (CBAM)

EU CBAM-Importe mit 258 Mt CO2 in 2023

Geschrieben von

Ulf Narloch

Veröffentlicht am

Der EU CO2-Grenzausgleich betrifft importierte Waren in CO2-intensiven Sektoren. Neuste EU-Handelsdaten zeigen, dass diese Importe im Jahr 2023 einen Wert von EUR 94 Mrd. und Emissionen von 258 Mt CO2e haben. Im voll ausgebauten CBAM-System zu EU-ETS Preisen in 2023 hätten diese Importe zu CBAM-Abgaben von EUR 15 Mrd. geführt.

CBAM als Handelsinstrument

Die Übergangsperiode im EU CO2 Grenzausgleichssystem (CBAM) ist in vollem Gange. Importeure von CBAM-Gütern sind bereits verpflichtet, vierteljährlich Berichte über die in ihren Importen enthaltenen Emissionen einzureichen.

Obwohl CBAM ein zentrales Element der EU-Klimapolitik Fit-for-55 ist, handelt es sich auch um ein Handelsinstrument. Ab 2026 wird mit CBAM eine CO2-basierte Abgabe auf Importe in die EU eingeführt. Diese wird sich auch auf Handelsströme auswirken, wie jüngste Studien zeigen.   

CBAM soll die Verlagerung von CO2-Emissionen in Nicht-EU-Länder reduzieren. Es geht einher mit dem Auslaufen der kostenlosen Emissionsrechte im EU Emissionshandelssystem (ETS).

Bislang sind in diesen Mechanismen keine Anpassungen für EU-Exporte vorgesehen, wodurch deren Wettbewerbsfähigkeit auf globalen Märkten gemindert wird. Bei Importen hingegen gleicht CBAM die CO2-Kosten zwischen EU-Produzenten und Nicht-EU Herstellern, die nicht unter ähnliche Klima-Auflagen fallen, aus.

Länder und Waren unter CBAM

Dementsprechend fallen Einfuhren aus Ländern, die am EU-ETS teilnehmen oder ein damit verbundenes System haben, nicht unter CBAM. Derzeit sind dies Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz. Jedes Land, das höhere CO2-Preise als im EU-ETS einführt, wäre ebenfalls von CBAM ausgeschlossen.

Zunächst fallen 6 Sektoren mit dem höchsten Risiko einer CO2-Verlagerung unter CBAM. Diese sind Eisen & Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Elektrizität und Wasserstoff. CBAM soll mehr als 50 % der Emissionen in den vom ETS erfassten Sektoren abdecken. Eine CBAM-Ausweitung wird von der EU-Kommission geprüft.

In diesen Sektoren fallen anhand den 8-stelligen Codes der Kombinierten Nomenklatur (KN) insgesamt über 500 Waren unter CBAM. Diese KN-Codes sind in 20 CBAM-Warenkategorien zusammengefasst, die die Regeln zum Reporting bestimmen

EU-Einfuhren unter CBAM

Auf der Grundlage der jüngsten, im April veröffentlichten EUROSTAT-Handelsdaten belaufen sich die Importe dieser CBAM-Waren im Jahr 2023 auf einen Gesamtwert von EUR 94 Mrd. Das entspricht ca. 4% aller EU-Einfuhren aus Drittländern.

Insgesamt gingen die Gesamteinfuhren der EU im Jahr 2023 um 13 % zurück, nachdem sie im Jahr 2022 stark angestiegen waren, was sowohl auf eine COVID-19-Erholung als auch auf Preissteigerungen zurückzuführen war. Seit Februar 2023 sind die EU-Einfuhren jeden Monat gesunken.

Auch die Einfuhren von CBAM-Waren erreichten im vierten Quartal 2023, in dem die Berichtspflichten gestartet sind, einen Tiefstand von 20 Mrd. EUR, verglichen mit 25 Mrd. EUR im ersten Quartal 2023.

In diesen CBAM-Werten sind die Einfuhren von CBAM-Gütern aus Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz nicht eingerechnet, die sich auf EUR 18 Mrd. belaufen, hauptsächlich Aluminium (EUR 8 Mrd.) und Elektrizität (EUR 6 Mrd.).

Mengenmäßig wurden (ohne Elektrizität) im Jahr 2023 insgesamt 98 Mt der CBAM-Waren importiert. Mit fast 70% macht Eisen & Stahl den größten Anteil daran aus.

Emissionen variieren nach CBAM-Sektor

Insgesamt führen diese CBAM-Importe zu Emissionen von 258 Mt CO2e wie CO2 IQ Analysen zeigen. Diese kommen hauptsächlich aus Eisen & Stahl. Dabei handelt es sich um direkte Emissionen, die bei der Herstellung dieser Güter freigesetzt werden und um indirekte Emissionen aus dem damit verbundenen Elektrizitätsverbrauch.

Diese Schätzungen beruhen auf den Standardwerten der EU, die für die CBAM-Berichterstattung verwendet werden. Diese Standardwerte spiegeln globale Durchschnittswerte der Emissionsintensitäten wider. Nur für Elektrizität werden länder-spezifische CO2-Intensitäten für Strom aus fossilen Brennstoffen berechnet.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2024 sollen die tatsächlichen Emissionsdaten in den CBAM-Berichten verwendet werden. Langfristig wird die Emissionsintensität mit der Umstellung auf grünere Herstellungsmethoden und Produkte sinken.

Eisen und Stahl

Mit 134 Mt CO2e machen CBAM-Waren im Eisen- und Stahlsektor mehr als die Hälfte dieser Emissionen aus.

13% dieser Emissionen stammen aus Roheisen und direkt reduziertem Eisen (DRI), 13% aus Rohstahl und 65% aus Eisen- und Stahlerzeugnissen. Darunter machen Facherzeugnisse aus Eisen- oder nichtlegiertem Stahl sowie Konstruktionsteile die größten Emissions-Positionen aus.

Aluminium

Die Emissionen aus importierten CBAM-Waren im Aluminiumsektor liegen bei 67 Mt CO2e oder 26% der CBAM-Emissionen in 2023.

43 Mt CO2e stammen von Aluminium in Rohform und davon mehr als die Hälfte von nicht-legiertem Aluminium. Unter den Aluminiumerzeugnissen stellen legierte Stangen, Stäbe und Profile sowie Konstruktionsteile die größten Emissions-Positionen dar.

Düngemittel

Emissionen aus Düngemitteln und ihren Vorprodukten, die unter CBAM fallen, belaufen sich auf 26 Mt CO2e oder 10% der CBAM-Emissionen.

Fast die Hälfte dieser Emissionen entfällt auf die Einfuhr von Harnstoff (12 Mt CO2e), 30% auf Mischdünger (8 Mt CO2e) und 20% auf Ammoniak (6 Mt CO2e). 

Zement

Mit 8 Mt CO2e stammen nur 3% der CBAM-Emissionen aus Importen im Zementsektor. Diese legt am begrenzten Extra-EU-Handels dieser Waren.

Zement und Zementklinker tragen jeweils zur Hälfte dieser Emissionen bei. Die Importe und damit die Emissionen von Tonerde-Zement und kalziniertem Ton sind hingegen sehr gering.

Elektrizität

Derzeit erfassen die CBAM-Vorschriften auch 22 Mt CO2e aus der Einfuhr von Elektrizität. Das sind 9% der gesamten CBAM-Emissionen.

Das Vereinigte Königreich und Serbien sind die wichtigsten Handelspartner der EU für diese Importe. Größere Einfuhrmengen aus der Schweiz und Norwegen werden von CBAM nicht erfasst.

CBAM-Kosten sind ungewiss

Diese Emissionen hätten in einem voll ausgebauten CBAM-System zu CBAM-Abgaben von über EUR 15 Mrd. in 2023 geführt. Diesen CO2 IQ Berechnungen liegen die Preise im Primärmarkt des EU-ETS zu Grunde, die ausschlaggebend für die CBAM-Abgaben sein werden. In 2023 lagen diese im Durchschnitt bei 83,66 EUR.

Letztlich hängen die CBAM-Kosten von der Entwicklung der Preise im EU-ETS ab. Diese waren zuletzt auf einen Tiefstand von etwa 50 EUR gefallen, welcher die CBAM-Abgaben auf EUR 9 Mrd. gedrückt hätte. Bei Preisen über 120 EUR, wie von vielen Experten vorhergesagt, könnten diese auf über EUR 22 Mrd. ansteigen.

Beim derzeitigen Importniveau würden drei Viertel dieser Kosten von den Metallimporteuren getragen, die Eisen, Stahl, Aluminium und deren Erzeugnisse aus Nicht-EU-Ländern beziehen. Für diese Importe werden im Rahmen von CBAM nur die direkten Emissionen bepreist.

Bei diesen Berechnungen werden mögliche CO2-Preise in den Herkunftsländern nicht berücksichtigt. Die gezahlten CO2-Preise können auf die zu zahlenden CBAM-Abgaben angerechnet werden.

Die CBAM-Abgaben werden ab 2026 schrittweise mit dem Auslaufen der kostenlosen Emissionsrechte im EU-ETS hochgefahren: von 2,5% in 2026, über 48,5% in 2030 bis zu 100% in 2034. Damit sollten CBAM-Kosten erst ab 2030 spürbar werden.

Im Moment hat CBAM keine Kostenauswirkungen. In der Übergangszeit bis Ende 2025 gelten nur Berichtspflichten. Importeure, die dieser Pflicht nicht nachkommen, müssen jedoch mit Strafen von 10-50 EUR pro Tonne nicht gemeldeter Emissionen rechnen.

Abschätzung Ihrer CBAM-Betroffenheit

Für die einzelnen Unternehmen hängt die CBAM Kosten-Wirkung von der Emissionsintensität der importierten CBAM-Waren, der importierten Menge und perspektivisch auch dem Herkunftsland ab.

Basierend auf der Kategorie der importierten CBAM-Waren zeigt unser neuer Online-Rechner die mögliche Kostenspanne an. Eine detaillierte Abschätzung ist über das CO2 IQ Importer Portal möglich, auf Grundlage einer vollständigen Liste der eingeführten KN-Codes.

(dieser Artikel wurde am 4. Juni 2024 aktualisiert)


Quellen und weitere Informationen:


Foto von Ammiel J Wan auf Unsplash