BlogCO2 Differenzverträge (CCfD)

Vorhaben für Klimaschutz-Verträge gesucht

Geschrieben von

Ulf Narloch

Veröffentlicht am

Das vorbereitende Verfahren für die Klimaschutzverträge läuft bis zum 7.8.2023. Bis dahin sind alle Anträge für die Vorhaben einzureichen, die an der anschließenden ersten Gebotsrunde teilnehmen. Die Anträge erfordern bereits jetzt umfassende Angaben zu den geplanten klimafreundlichen Anlagen – auch mit Relevanz zur Berechnung des Förderbetrags.

Innovatives Förderinstrument

Zur klimafreundlichen Transformation der Industrie eröffnete das BMWK am 5. Juni 2023 offiziell das Förderprogramm Klimaschutzverträge. Es soll einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 – und auch zur Industrie- und Innnovationspolitik des Landes – leisten.

Bei den CO2 Differenzverträge handelt es sich um ein innovatives Förderinstrument zum Ausgleich der Mehrkosten klimafreundlicher Produktionsverfahren und der damit verbundenen Energie- und CO2-Preisrisiken.

Mit dem geplanten Programm nimmt Deutschland eine internationale Voreiterrolle bei Carbon Contracts for Difference (CCfD) ein.

Was die Klimaschutzverträge fördern

Gemäß dem Entwurf der Förderrichtlinie sollen die Mehrkosten (Investitions- und Betriebskosten) klimafreundlicher Anlagen in emissionsintensiven Branchen per Zuwendung gefördert werden.

Was ist Gegenstand der Förderung?

Gefördert werden ausschließlich transformative Produktionsverfahren zur Herstellung von Produkten, die unter die Richtlinie des EU-ETS fallen.

Verfahren, die die Transformation der Industrie zur Klimaneutralität ermöglichen, zeichnen sich aus durch:

  1. Grundlegende technologische Änderungen konventioneller Produktionsverfahren und:
  2. Substitution fossiler Energieträger oder Rohstoffe durch klimafreundlich bereitgestellte Energieträger oder Rohstoffe oder:
  3. Einsatz von Technologien zur CO2 Abscheidung und langfristigen Nutzung (CCU) oder Speicherung (CCS).

Für die förderungsfähigen Anlagen gelten folgende Anforderungen an die erzielbare Emissions-Vermeidung gegenüber einem Referenzsystem:

  1. Absolut im Durchschnitt mindestens 10.000 t CO2 pro Jahr
  2. Relativ mindestens 60% ab Beginn des dritten Jahres
  3. Relativ mindestens 90% im letzten Jahr der Laufzeit

Für unvermeidbare und schwer vermeidbare Prozessemissionen, die auf Basis der Carbon Management Strategie festgelegt werden, können Emissions-Vermeidungen durch aktives CO2 Management erreicht werden:

  1. CO2 Abscheidung und Nutzung (CCU), sofern die langfristige Speicherung zertifiziert oder die Maßnahme im EU ETS anerkannt ist
  2. CO2 Abscheidung und Speicherung (CCS), sofern die langfristige Bindung in kohlenstoffhaltigen Produkten zertifiziert oder die Maßnahme im EU ETS anerkannt ist

Auch der Einsatz der Energieträger sollte klimaneutral sein:

  1. Strom muss zu 100% aus erneuerbaren Energien kommen
  2. Wasserstoff, der aus erneuerbaren Energien hergestellt wird („grün“), wird bevorzugt behandelt; der Einsatz von blauem Wasserstoff aus fossilem Gas ist erlaubt, wenn das entstandene CO2 abgeschieden und gespeichert wird
  3. Biomasse ist nur erlaubt, wenn weder Direktstrom noch Wasserstoff technisch oder wirtschaftlich zur Verfügung stehen und der Einsatz von nachhaltig produzierter Biomasse (aus Rest- und Abfallstoffen) skalierbar ist

Welche Gebote werden gefördert?

Klimaschutzverträge werden in einem Gebotspreisverfahren (pay-as-bid) auktioniert. Gefördert werden Vorhaben mit den kostengünstigsten und schnellsten CO2-Vermeidungen.

Dementsprechend werden die Gebote mit einer Punktzahl bewertet anhand von:

  1. Förderkosteneffizienz, die sich auf Basis des Gebotspreises und der Kosteneffizienz anderweitig erhaltener Förderungen berechnet
  2. Relativen Emissions-Vermeidung gemittelt über die ersten fünf Jahre

Gebote werden entsprechend der Bewertung absteigend sortiert. Einen Zuschlag erhalten die Gebote mit der höchsten Punktzahl, solange bis das Fördervolumen des Verfahrens erschöpft ist.

Im Gebotsverfahren sind neben Vorhabenskizze, technischer Beschreibung, Finanzplan, Monitoringkonzept, Wissenstransfer-Plan vor allem folgende Informationen für die Bewertung ausschlaggebend:

  1. Basis-Vertragspreis zum Ausgleich der Mehrkosten der klimafreundlichen Anlage im Vergleich zu einem Referenzsystem pro Tonne vermiedener Emissionen
  2. Geplante Emissions-Vermeidung über die Laufzeit
  3. Geplanter jährlicher Energieträgermix mit Energieträgerbedarfen und (bei substituierbaren Energieträgern) der klimaneutrale Mix im Zielzustand
  4. Jährliche Planung der Produktionsmengen
  5. Jährlicher Verbrauch an Wassersstoff sowie Verlauf absoluter Emissions-Minderung und Bedarf an Wasserstoff
  6. Bereits bewilligte anderweitige Förderung

Für erfolgreiche Gebote wird auf Basis dieser Angaben auch die maximal mögliche Fördersumme berechnet.

In welchem Umfang wird gefördert?

Die Höhe der Zuwendungen und die Höhe des Auszahlbetrags sind durch die maximale Fördersumme begrenzt und werden jährlich berechnet auf Basis von:

  1. Basis-Vertragspreis:  Dieser ist gemäß Gebot im Klimaschutzvertrag festgesetzt und bildet die Grundlage zur Förderberechnung.
  2. Dynamisierter Vertragspreis: Vom Basis-Vertragspreis wird eine Dynamisierungskomponente als Differenz der tatsächlichen und der im Gebot berechneten Energie-Preise addiert.  
  3. Auszahlungspreis:  Vom dynamisierten Vertragspreis wird der effektive CO2 Preis abgezogen. Dafür werden die im EU-ETS angefallenen Kosten und Erlöse des Vorhabens im Vergleich zum Referenzsystem zum indizierten CO2 Preis im ETS berücksichtigt.
  4. Auszahlungsbetrag:  Dieser Auszahlungspreis wird mit den tatsächlich realisierten CO2 Vermeidung multipliziert. Diese ergibt sich aus der tatsächlichen Produktionsmenge und der tatsächlichen Emissions-Vermeidung je Produkteinheit.
  5. Bereinigter Auszahlungsbetrag: Anderweitige Förderungen für die gleiche Anlage werden abgezogen. Auch bis zu 60% von grünen Mehrerlösen, sofern nicht ausreichend im Gebot eingepreist, können abgezogen werden.  

Da die Dynamisierungskomponente und der effektive CO2 Preis jährlich ermittelt werden, schwankt der Auszahlungspreis in Abhängigkeit der Preisentwicklung an den Energiemärkten und im EU-ETS.

Im Vergleich zu fixen Subventionsprämien ergibt sich folgende Auszahlungs-Dynamik:

  1. Mit steigenden CO2 Preisen sinkt der Auszahlungspreis und umgekehrt
  2. Sobald der Auszahlpreis negativ wird (d.h. der effektive CO2 Preis höher ist als der dynamisierte Vertragspreis), muss die Differenz zurückgezahlt werden

Die Zeit läuft

Zur Vorbereitung des ersten Gebotsverfahren, welches noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll, hat das BMWK ein vorbereitendes Verfahren vorgeschaltet. Für die anschließende Teilnahme am Gebotsverfahren ist die Übermittlung der geforderten Informationen zwingend erforderlich.

Bis zum 7.8.2023 ist dafür Antrag mit allgemeinen Informationen zum Vorhaben (per Formblatt) und einer Einschätzung technischer Aspekte (in XLS-Tabellenformat) elektronisch einzureichen. Diese sind vollständig und fristgerecht zu übermitteln.

Der Vorbereitungs-Aufwand hierfür dürfte beachtlich sein. Die Unterlagen sehen umfangreiche Angaben auch zu technischen Parametern vor, die für die spätere Berechnung der Fördersumme für das Vorhaben relevant sind.

Da Abweichungen dieser Angaben im schließenden Gebotsverfahren nicht unbegründet (d.h. außerhalb von Änderungen in Förderaufruf oder -richtline) möglich sind, sollten die Kostenimplikationen schon jetzt sorgfältig analysiert werden.

Wer die Abgabefrist verpasst, kann durch eine materielle Ausschlusspflicht nicht am ersten Gebotsverfahren teilnehmen. Zukünftige Gebotsrunden sollen zweimal jährlich stattfinden.


Quellen und weiterführende Informationen:


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